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Weshalb die Folgen schlechter Führung kein Arzt heilen kann

Buch-Vernissage und Podiumsdiskussion mit Top-Managern in Wolfsberg

Wenn der Krankenstand sinkt - geht es dem Unternehmen dann gut oder schlecht? Kaum eine Kennzahl bietet breiteren Spielraum für abenteuerliche Interpretationen als der Krankenstand. Dabei ist das Thema Gesundheit im Unternehmen viel zu ernst: Gesundheit hat weniger mit Medizin als mit Führung zu tun. Sind die Mitarbeiter krank, ist die Firma der Patient.

Wie groß der Einfluss von Führungskräften auf Wohlbefinden und Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter ist, darauf machen die beiden Mediziner Dr. Walter Kromm und Dr. Gunther Frank in ihrem neuen Fachbuch "Unternehmensressource Gesundheit - Weshalb die Folgen schlechter Führung kein Arzt heilen kann" (Symposion Publishing, Düsseldorf) aufmerksam.

Ihre These: Es sind nicht die Ärzte, sondern die Führungskräfte, die den entscheidenden Beitrag für ein gesundes und damit erfolgreiches Unternehmen leisten.

Diese These stand im Mittelpunkt einer Buch-Vernissage am 7. Juni 2010 im UBS Health Forum in Wolfsberg (www.wolfsberg.com), wo sie im Rahmen eines hochkarätig besetzten Podiums vor interessiertem Publikum intensiv diskutiert wurde.

Ein Ergebnis: Es reicht nicht, ein Gesundheitsprogramm zu initiieren oder einige Fitnesstrainer ins Unternehmen zu holen, um auf einen gesunden Lebensstil der Mitarbeiter hinzuwirken. Kern des Problems ist der Führungsstil. Folgt dieser nicht einem Verständnis von Partnerschaft und
Fairness, nehmen gesundheitliche Probleme zu und die Ergebnisse des Unternehmens verschlechtern sich nachweislich.

Welche finanziellen Ausmaße das Problem hat, betonte Diskussionsleiter Lutz Becker, Professor für Internationales Management und Unternehmensführung an der Karlshochschule International University Karlsruhe: Durch betriebsbedingte Ausfälle entstehe deutschen Unternehmenjährlich ein Verlust von 6,3 Milliarden Euro.

Was also läuft falsch in den Unternehmen? Von einer generellen Schieflage mochte Arthur Decurtins, Vice Chairman von Wealth Management & Swiss Bank der UBS AG, nicht sprechen, verwies aber auf die extremen Veränderungen in der Arbeitswelt: In der modernen Dienstleistungsgesellschaft entstehe heute dadurch ein ganz anderer, psychischer Druck.

Sind Unternehmen heute also krankmachende Biotope? Der Aufsichtsratsvorsitzende der Commerzbank, Prof. Klaus-Peter Müller, widersprach hier energisch: Gesundheit sei in der Tat ein vernachlässigtes Thema. Doch kein Unternehmer lege Wert auf eine kultivierte Erkrankung seiner Mitarbeiter. Gerade in Großunternehmen ließen sich die Probleme gut lokalisieren. Hier sei gezielte Ursachenforschung angezeigt - und möglich. Allerdings brauchten Veränderungen in der Führungskultur in großen Unternehmen viel Zeit, das sei gerade beim eigenen Merger zwischen Commerzbank und Dresdner Bank mit 65.000 Mitarbeitern gut zu beobachten. Und: Nicht zu unterschätzen seien auch die Ursachen im gesellschaftlichen und privaten Umfeld sowie die mangelnde Veränderungsbereitschaft einzelner.
Lassen sich die Mitarbeiter also zu sehr hängen? Ole Petersen, Geschäftsführer der fit im job AG, Winterthur widersprach: Der Blaumacher sei ein Phänomen aus vergangenen Zeiten. Heute erlebe man genau das Gegenteil: Weil über den Beschäftigten das Damoklesschwert des drohenden Jobverlustes bzw. des wachsenden Drucks durch globalen Wettbewerb schwebe, arbeiteten manche Menschen oft noch bis spät in die Nacht hinein. Wie wenig produktiv das sei und welche Folgen das für das Privatleben habe, sei leicht auszurechnen. Und das zu ändern, sei eine Führungsaufgabe.

Dr. Peter Müller-Knecht, Verwaltungsratspräsident der Knecht & Müller AG, Stein am Rhein unterstrich: Präsentismus sei wenig hilfreich, es komme mehr auf die Qualität der Anwesenheit als auf die Quantität an. Qualität der Arbeitsleistung ist nur zu erreichen, wenn Führungskräfte die Relevanz des Themas erkennen und einen wertschätzenden Führungsstil entwickeln, der nicht ausschließlich auf die Bilanz fokussiert. Dr. Martin Hodler, Präsident der Swiss University Sports Foundation, wies daher auf die Bedeutung der Wertschätzung hin: "Wir sind daran gewöhnt, die Ernte zu loben. Der gute Bauer lobt auch für das, was wir säen, nicht nur für die Ernte. Zahlen sind nicht das Wichtigste."

Fazit des informationsreichen Abends: Die Unternehmensressource Gesundheit ist ein "soft issue" mit "hard benefit". Oder anders gewendet: Wertschätzung führt zu Wertschöpfung.

Literaturhinweis:
Unternehmensressource Gesundheit
Weshalb die Folgen schlechter Führung kein Arzt heilen kann
Hrsg.: Walter Kromm, Gunter Frank
Hardcover, 318 Seiten
ISBN 978-3-939707-44-8
1. Auflage, Symposion Publishing, Düsseldorf

Mehr Info: http://www.symposion.de/72reiter_HR-Management?cmsinfo/0002440

 



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