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Positionierung
 
Werner Pepels
 

Unter Positionierung fasst man einerseits ein grafisches Verfahren (Mapping) durch statistische Datenerhebung und -auswertung, andererseits aber auch das Ergebnis des Marketingkonzepts als verbales Verfahren in Form eines Positioning Statement.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • was man exakt unter einer Positionierung versteht,
  • welche Schritte zur Entwicklung einer Positionierung erforderlich sind,
  • wie eine Positionierung verbalisiert werden kann.

 

Positionierungsmodelle

In grafischen Verfahren geht es allgemein um die Anordnung von Objekten Produkten, Anbietern, Marken, Nachfrager, Bedürfnisse etc. in einem mehrdimensionalen, möglichst niedrig dimensionierten Positionierungsraum, um darin die Koordinaten dieser Objekte festzulegen. Handelt es sich bei den Dimensionen um objektiv messbare Eigenschaften, ist ein Eigenschaftsraum gegeben. Handelt es sich um nur subjektiv erlebbare Wahrnehmungen, ist ein Wahrnehmungsraum gegeben. Bei den objektiv messbaren Eigenschaften handelt es sich um technische Daten, Funktionen, Abmessungen etc.; bei den subjektiv erlebbaren Wahrnehmungen um Anmutungen, Eignungen, Zufriedenheiten etc. Letzteres empfiehlt sich im Regelfall.

Beide Arten von Positionierungsräumen können nur reale, am Markt vorhandene Objekte beinhalten dann spricht man von einem Ähnlichkeitsraum; oder nur ideal gewünschte Objekte dann spricht man von einem Präferenzraum; oder sowohl reale als auch ideale Objekte Joint Space. Letzterer empfiehlt sich im Regelfall.

Nach der Art der Darstellung kann der Positionierungsraum so angelegt sein, dass ein reales Objekt um so eher einem idealen Objekt entspricht, je geringer die geografische Distanz zwischen beiden ist. Oder er kann so angelegt sein, dass ein reales Objekt um so eher einem idealen entspricht, je weiter es auf einem Idealvektor Fahrstrahl vom Koordinatenursprung entfernt liegt. Letzteres wird Idealvektorverfahren genannt, es folgt dem »je mehr, desto besser«-Prinzip. Ersteres wird Idealpunktverfahren genannt und folgt dem »je ähnlicher, desto besser«-Prinzip und ist eher empfehlenswert.

Die Verfahren unterscheiden noch danach, ob Nachfrager ausschließlich dasjenige Produkt wählen, das dem Ideal am meisten entspricht Single-Choice-Modell, oder ob jedes Objekt eine mit abnehmendem Entsprechungsgrad sinkende Wahrscheinlichkeit hat, gewählt zu werden Wahlaxiom-Modell. Letzteres wird zumeist unterstellt.

Positionierungen können computergestützt exakt vorgenommen werden normativ oder erfahrungsgetrieben intuitiv heuristisch. Beide Ansätze sind verbreitet. Die Vorgehensweise zur Entwicklung einer Positionierung ist im jedem Fall dieselbe und eine mehrstufige.

Vorgehensweise zur Erstellung einer Positionierung

Die Vorgehensweise zur Erstellung einer Positionierung geht in folgenden Schritten vor:

  • Abgrenzung des relevanten Marktes SGF,
  • Bestimmung der Angebotsdimensionen auf diesem Markt,
  • Auswahl der strategischen Mitbewerber SGr,
  • Positionierung dieser Mitbewerber,
  • Eintrag der eigenen Ist-Position und der Idealposition,
  • Alternativen zur Bestimmung der Ziel-Position.

Abgrenzung des relevanten Marktes SGF

Die Abgrenzung des relevanten Markts bestimmt, auf welchem Markt man eigentlich tätig ist. Dies ist von erheblicher Bedeutung, denn wenn man nicht weiß, in welcher »Arena« man antritt, weiß man auch nicht, wer die Gegner dort sind und welche Stärken und Schwächen diese haben. Das Risiko unterzugehen, wäre mehr als leichtfertig. Weiterhin können Chancen vertan werden.

Beispiel Eisenbahn

Dazu gibt es das Beispiel der amerikanischen Eisenbahngesellschaften zu Anfang des vorigen Jahrhunderts. Sie waren dominant für die gesamte wirtschaftliche Entwicklung des Landes und sind heute zu Subventionsempfängern verkommen. Th. Levitt hat dazu die These aufgestellt, dass dies daher rührt, dass die amerikanischen Eisenbahngesellschaften ihren relevanten Markt falsch abgegrenzt haben, nämlich als Transport von Personen und Gütern auf Schienen. Dementsprechend übersahen sie völlig die aufkommende Konkurrenz anderer Verkehrs- und Transportmittel, insbesondere Lkws und Flugzeuge. Folglich ist die Bedeutung des Straßen- und des Lufttransports stetig gestiegen und die des Schienentransports stetig gesunken. Eine zutreffende Marktabgrenzung hätte sich nicht auf Eisenbahn, sondern auf Logistikdienstleistung beziehen müssen. Dann wäre die Verkehrsmittelkonkurrenz rechtzeitig erkannt worden und man hätte ihr begegnen können.

Die Operationalisierung der Abgrenzung des relevanten Markts erweist sich als schwierig. Theoretisch kann diese, neben zahlreichen weiteren Konzepten, anhand der Kreuzpreiselastizität der Nachfrage bestimmt werden. Diese gibt die Absatzveränderung eines Produkts B aufgrund der Preisveränderung eines Produkts A an.

Bewirkt die Preiserhöhung des Produkts A eine Absatzerhöhung beim Produkt B, so gehören beide zum gleichen relevanten Markt Nachfrager wechseln aufgrund der Preiserhöhung bei Produkt A zu Produkt B über. Gleiches gilt, wenn eine Preiserhöhung des Produkts A eine Absatzsenkung beim Produkt B bewirkt Nachfrager fragen dann sowohl A als auch B nach, eine Preiserhöhung bei A bewirkt daher auch eine Absatzsenkung bei B. Hat die Preiserhöhung des Produkts A keinerlei Auswirkungen auf den Absatz von Produkt B, gehören beiden verschiedenen relevanten Märkten an.

Keinesfalls kommt es für die Abgrenzung auf die Anbieter- oder Produktionssicht an, vielmehr ist ausschließlich die Nachfragersicht entscheidend. Allerdings ist die Kreuzpreiselastizität nur in Testmarktsituationen messbar. Daher muss man pragmatisch anders vorgehen.

Ausgangspunkt ist die Annahme der totalen Konkurrenz, das heißt, jedes Produkt steht mit allen anderen im Wettbewerb um die Kaufkraft. Daraus werden Bedarfsgruppen gebildet, die aus Produkten bestehen, die den gleichen Bedarf befriedigen. Diese Produkte können physikalisch-chemisch völlig verschiedenartig sein, so lange sie nur den selben spezifischen Nutzen stiften.

Zum Beispiel kann der »Bedarf Pausensnack« durch so verschiedenartige Produkte wie Schokoriegel, Obst, belegte Brötchen, Joghurts, Hamburger, Gebäck etc. befriedigt werden.

Als Maßgabe gilt, den Markt so eng wie möglich abzugrenzen, um eine gute Übersichtlichkeit zu gewährleisten, aber zugleich so weit wie nötig, um »Marketingkurzsichtigkeit« Marketing Myopia zu vermeiden. Die konzeptionellen Maßgaben sind hier noch unbefriedigend, so dass es auf Fingerspitzen- und Bauchgefühl ankommt.

Bestimmung der Angebotsdimensionen

Die Angebotsdimensionen auf einem relevanten Markt ergeben sich aus der Marktforschung anhand multivariater Verfahren oder aus der Erfahrung der Entscheider. Theoretisch ist es zwar durchaus möglich, grafisch multidimensionale Skalierungen abzubilden, jedoch ist deren zutreffende Interpretation sehr schwierig. Daher sollte man sich in der Praxis auf zwei- bis dreidimensionale Abbildungen beschränken. Am besten ist die Konzentration auf die beiden als kaufbestimmend angesehenen Dimensionen. Sie bilden die Achsen eines Koordinatensystems.

So können als für die Beurteilung einer Sportcoup-Marke entscheidend die Dimensionen Motorleistung und Überholprestige angesehen werden, für die Beurteilung einer Porzellanmarke Design und Preis, für die Beurteilung einer Seifenmarke Pflege und Duft, für die Beurteilung von Zigaretten Geschmack und Image.

Sind mehr als zwei Dimensionen als kaufbestimmend anzusehen, kann versucht werden, durch Bündelung dieser Dimensionen zu zwei umfassenderen Dimensionen eine Komplexitätsreduktion zu erreichen. Freilich darf darunter nicht die Aussagekraft leiden. Als Verrechnungsmittel dient dazu die Faktorenanalyse.

Denkbar ist auch, die Achsen jeweils mit zwei unabhängigen Dimensionen zu belegen, statt mit den beiden Polen einer Dimension. Auf diese Weise lassen sich vier Dimensionen zweidimensional abbilden, allerdings nicht mehr als Punkte, sondern nur als Flächen. Dies ist eine geschickte Methode, den Kompetenzanspruch eines Angebots zu veranschaulichen.

Auswahl der strategischen Mitbewerber SGr

Die Gesamtheit der Mitbewerber im relevanten Markt lässt sich in strategische Gruppen einteilen. Eine strategische Gruppe wird von solchen Anbietern gebildet, die untereinander in einem engeren Konkurrenzverhältnis zueinander stehen als zu den Angehörigen anderer strategischer Gruppen. Man spricht von interner Homogenität bei gleichzeitig externer Heterogenität.

Beispiel Kfz-Markt

Am deutschen Kfz-Markt lassen sich folgende strategische Gruppen ausmachen:

deutsche Standardhersteller Opel, Ford, Volkswagen,

deutsche Oberklassehersteller Audi, BMW, Mercedes-Benz,

europäische Importeure Fiat, Peugeot, Renault, Citroen, Skoda, Seat,

japanische Importeure Nissan, Toyota, Mazda, Mitsubishi, Honda,

»Exoten« Alfa, Lancia, Saab, Volvo, Chrysler, Land Rover, MG-Rover,

»Luxuskarossen«-Hersteller Lexus, Jaguar, Porsche, Aston-Martin, Bentley, Ferrari, Maserati,

Unterklasse-Hersteller Suzuki, Hyundai, Kia, Daewoo, Daihatsu, Lada, Subaru.

Hinsichtlich der eigenen Strategie in diesem Gruppenwettbewerb bestehen verschiedene Optionen. Die Dominanz innerhalb der eigenen strategischen Gruppe bedeutet das Anstreben der Marktsegmentführerschaft dort. Der Wechsel von der bestehenden zu einer anderen strategischen Gruppe ist mit der Hoffnung auf eine dort vorzufindende, vorteilhafte Wettbewerbsstruktur verbunden. Die Gründung einer eigenen strategischen Gruppe entspricht dem Versuch der Erreichung einer Alleinstellung.

Beispiel Sixt

Ein Beispiel für die Dominanz in der strategischen Gruppe ist Sixt bei Autovermietungen. Trotz großer, internationaler Konkurrenten wie Avis, Hertz, Europcar etc. ist es Sixt gelungen, diese Dominanzposition zu erreichen. Dies gelang durch eine ganze Reihe gezielter Aktivitäten wie Einrichtung von Vermietstationen an Flughäfen, Einsatz von Fahrzeugen mit Vollausstattung, Nutzung des Internet als Vertriebsweg, Aufbau einer starken Nachfrageposition bei Autoherstellern, Vermeidung der Abhängigkeit von einzelnen Herstellern, aggressive, hoch dotierte Werbekampagnen, Realisierung vergleichsweise hoher Gebrauchtwagenpreise etc.

Beispiel Focus

Ein weiteres Beispiel ist Focus im Markt der meinungsbildenden Zeitschriften. Dieser wurde über Jahrzehnte von Spiegel und Stern dominiert. Focus schaffte eine Ablösung dieser Dominanz durch Maßnahmen wie begrenzter Seitenumfang der Artikel, Darstellung ausschließlich von Fakten, nicht von Meinungen, hoher Vierfarbanteil an der Redaktion, Einsatz von Info-Grafiken, Öffnung für populäre Themen jenseits von Politik und Feuilleton etc.

Beispiel Audi

Ein Beispiel für den Wechsel der strategischen Gruppe ist der Autohersteller Audi. Er war einst in der Gruppe der deutschen Standardhersteller verankert wie Volkswagen, Opel, Ford und wird nun der Gruppe der deutschen Oberklassehersteller zugeordnet wie BMW, Mercedes. Die Überwindung der Mobilitätsbarrieren beim Ausstieg aus der bestehenden sowie Einstieg in die neue strategische Gruppe konnte durch eine Reihe von Maßnahmen erreicht werden: Einführung des Allradantriebs quattro, Design unter cw-Wert-Gesichtspunkten, Procon-ten-Sicherheitslenkrad, Leistungssteigerung des Dieselmotors durch Turboaufladung, Karosserie aus Aluminium, stufenlose Getriebeautomatik, Drei-Liter-Auto, intensive Werbekampagnen, neues Schauraumkonzept etc.

Beispiel Douglas

Ein anderes Beispiel ist die Douglas-Gruppe, die sich vom Süßwarenfilialisten Hussel zur Lifestyle-Handelsgruppe veränderte. Dies erforderte eine Reihe von Aktivitäten zum Aufspüren fachhandelsaffiner Branchen Parfümerie: Douglas, Schmuck: Christ, Ren Kern, Goldmeister, Bücher: Thalia, Montanus, Mode: Appelrath-Cüpper, Pohland. Als Multi-Spezialist konnte man damit sowohl dem Abstieg der Generalisten Warenhäuser als auch der Mono-Spezialisten Fachhandel entgehen.

Beispiel IKEA

Ein Beispiel für die Gründung einer eigenen strategischen Gruppe ist IKEA, das größte Möbelhaus der Welt. Dabei konnte durch Neuformulierung der Geschäftsprozesse eine nachhaltige Alleinstellung erreicht werden, die eine Vergleichbarkeit mit bereits bestehenden Angeboten/Anbietern aufhob. Dies bezieht sich auf Elemente wie kostengünstiger Standort in der Nähe von Autobahnanschlüssen, Schauraum mit angeschlossenem, begehbaren Lager, Selbstbedienung und Mitnahmemöglichkeit, Vermeidung von Lieferzeiten, Möbelaufbauarbeiten und Transportlogistik etc.

Beispiel Starbucks

Ein weiteres Beispiel ist die Kaffeehauskette Starbucks. Starbucks steht weltweit für eine neu definierte, innovative Form von Kaffeehaus. Sie basiert auf vier Säulen: Kaffee als Produkt, Coffeehouse, Service und Sozialengagement. Kaffee wird in ca. 2.000 Variationen angeboten und damit neuartig erlebbar. Das Coffeehouse ist der »Third Place« zwischen Zuhause und Arbeitsplatz. Der Service bringt die Leidenschaft für Kaffee und Gäste zum Ausdruck. Und das Sozial-engagement drückt die gesellschaftliche Verantwortung aus. Diese Kombination etablierte eine neue strategische Gruppe, die zwischenzeitlich Nachahmer gefunden hat.


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Prof. Werner Pepels

Werner Pepels studierte nach kaufmännischer Berufsausbildung Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften mit den Abschlüssen Diplom-Betriebswirt und Diplom-Kaufmann. Anschließend war er zwölf Jahre, davon drei Jahre selbstständig, als Marketingberater in internationalen Kommunikationsagenturen für renommierte Markenartikler tätig. Dabei stieg er vom Kontakt-Trainee über die Positionen Kontakter, Strategischer Planer, Etat-Direktor, Prokurist bis zum Geschäftsführenden Gesellschafter in einer der seinerzeit größten, rein deutschen Werbeagenturgruppen auf. 1989 wurde er zum Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing, berufen. Er ist durch zahlreiche Beiträge zu Themen aus Marketing, Vertrieb, Werbung und Management in Monografie-, Sammelband-, Lexikon- und Aufsatzform ausgewiesen und in seiner Domäne einer der erfolgreichsten Autoren (über 150.000 verkaufte Auflage) im deutschsprachigen Raum. Er ist u.a. als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, als Studienleiter und Dozent in der Managementausbildung tätig.
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