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Produktrückrufe in der Automobilbranche
 
Werner Pepels
 

Ob Glassplitter im Rotkohlglas oder Brandgefahr beim Notebook: Wenn ein Produkt Leib und Leben eines Kunden bedroht, ist ein Handeln des Herstellers unausweichlich. Auch in der Automobilindustrie hat die Anzahl der Rückrufe zugenommen.


In diesem Beitrag erfahren Sie:

  • welche Ursachen zu Produktrückrufen führen,
  • was bei der Organisation eines Rückrufs beachtet werden muss,
  • wie die Automobilhersteller Mazda, BMW, VW, Opel, Peugeot, Toyota und Saab Produktrückrufe durchführen.

 

Produktrückrufe sind Normalität

Produktrückrufe erscheinen unvermeidbar, auch in der Automobil-industrie. Unter einem Produktrückruf versteht man allgemein die vorläufige oder endgültige Unterbrechung der Verwendung bzw. des Gebrauchs eines Produktes, angestoßen durch den Hersteller. Ferner die Überprüfung und ggfs. die Ersatzleistung für ein Produkt gegenüber Marktpartnern. In der Automobilindustrie zählen Produktrückrufe schon fast zum Alltag, wie die nachfolgende Tabelle Rückrufaktionen in der Automobilindustrie belegt.

Tabelle 1: Rückruf-Aktionen in der Automobilbranche Auswahl der letzten Jahre:

Audi A 4

verminderte Bremsleistung bei Nässe und Streusalz durch nicht geeignete Bremsbeläge

M-B Vito

bei Conti- und Semperit-Bereifung kann es zu gefährlicher Laufflächenablösung kommen

Ford Escort/Mondeo

Fehlauslösung am Beifahrerairbag durch elektrostatische Entladung

Ford Fiesta

vordere Bremsschläuche können am Halter scheuern

Ford Galaxy

Brandgefahr bei losen Teilen der Motordämmmatte am Abgasrückführventil

Ford Ka/Fiesta/Puma

defekter Hauptbremszylinder, dadurch Ausfall eines Bremskreises möglich

Ford Ka

Gefahr, dass sich ein Bremsschlauch an der Karosserie durchscheuert

Ford Mondeo

Geräusche aus dem Auspuffkrümmer durch Beschädigung des Startkatalysators

Honda Accord

Isolierung des Kabelstrangs zum Klimaanlagenkompressor kann durchscheuern

Lexus

Magnetschalter am Anlasser birgt Brandgefahr

Mazda 626

Defekt an der Spannrolle des Steueriemenspanners

Mercedes CLK

unterdimensionierte Sicherheitsgurtbefestigungen vorn

Opel Astra

vorzeitiger Verschleiß am unteren Lenksäulenlager zu hohe Klemmung

Opel Vectra

Handbremshebel kann vorzeitig verschleißen

Porsche 911

Fehlauslösung des Fahrerairbag durch Spannungsspitzen

Renault Clio

Motoröl-Überfüllung verursacht Verkokung der Lambdasonde

Rover MGF

Sicherheitsgurt vorn rechts kann sich an der Blende verklemmen

Range Rover

Fehlauslösung des Fahrerairbag durch elektrostatische Entladung

Land Rover

Haarriss an einem Lenker der Hinterachse möglich

Smart

Fehl-Programmierung der Stabilitätskontrolle sowie Gefahr defekter Lenkung

Tabelle 1: Rückruf-Aktionen in der Automobilbranche Auswahl der letzten Jahre Fortsetzung:

Golf

Software-Fehler im Steuergerät des Beifahrer-Airbags

Fiat Bravo/Brava

Kraftstoffdämpfe schädigen Bremskraftverstärker-Membrane

Daihatsu Cuore

Falsche Vergasereinstellung verursacht unzureichende Abgaswerte

Mercedes Benz S-Klasse

Vorderräder können Bremsschläuche bei starkem Lenkradeinschlag berühren

Opel Vectra

Fehlauslösung der Seitenairbags durch Sensorik-Problematik

BMW 3-er-Reihe

defekter Kühlerverschlussdeckel kann zur Überhitzung des Kühlmittelkreislaufs führen

Toyota Landcruiser

möglicher Ausfall der Bremskraftunterstützung

alle Mercedes-Reihen

Defekt am Bremsassistent

Audi

Fahrer-Airbag kann beim Ein- oder Aussteigen selbsttätig auslösen

Opel Astra/Corsa

Spannrolle und Zahnriemen müssen wegen Gefahr von Motorschäden ausgetauscht werden

Renault Espace

Ablösung der Lauffläche an Michelin MXT Reifen möglich

Porsche 911

Zuviel Spiel im Kreuzgelenk der Lenkwelle

Saab 900 Cabrio

Verspannung des Lenksäulenrohres durch falsche Montage Bruchgefahr

Mercedes C-Klasse

Schwergängige Fanghaken der Motorhaube

Ford Galaxy

Brennender Keilriemen kann Klima-Kompressor blockieren

Opel Vectra

Unzureichendes Anzugsmoment der Gurtbefestigungsschrauben an den Vordersitzen

Rover 600

Schrauben der Lenkgetriebebefestigung können sich lockern

Ford Fiesta

Traggelenke der Radaufhängung vorne festgängig sowie Prüfung des Kupplungsgeberzylinders sowie Scheuern der vorderen Bremsschläuche mit Gefahr der Verunreinigung der Bremsflüssigkeit

Tabelle 1: Rückruf-Aktionen in der Automobilbranche Auswahl der letzten Jahre Fortsetzung:

Honda Civic Coup

Rückstände von Montagepaste können Rückschlagventil des Unterdruckschlauches am Bremskraftverstärker verkleben sowie Korrosion am Zündschloss

Mitsubishi Pajero

Mögliche Undichtigkeit an den vorderen Bremsschläuchen

VW Gold/Vento

Scheuerstelle an der Verkabelung der elektrischen Fensterheber hinten

Nissan Sunny

Ablagerungen im Vergaser führen zu überhöhten Co2-Werten

Seat Alhambra/VW Sharan/Ford Galaxy

Tellerfeder des Bremskraftverstärkers kann verrutschen, Bremspedal stellt nicht mehr ganz zurück

Audi A 8

Vorzeitiges Auslösen der Seitenairbags möglich

BMW 7er-Reihe

Absterben des Motors durch eine Fehlfunktion in der Kraftstoffpumpe

Mini One

fehlerhafte Verbindung zwischen Schaltteil und Getriebe


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Prof. Werner Pepels

Werner Pepels studierte nach kaufmännischer Berufsausbildung Wirtschaft und Wirtschaftswissenschaften mit den Abschlüssen Diplom-Betriebswirt und Diplom-Kaufmann. Anschließend war er zwölf Jahre, davon drei Jahre selbstständig, als Marketingberater in internationalen Kommunikationsagenturen für renommierte Markenartikler tätig. Dabei stieg er vom Kontakt-Trainee über die Positionen Kontakter, Strategischer Planer, Etat-Direktor, Prokurist bis zum Geschäftsführenden Gesellschafter in einer der seinerzeit größten, rein deutschen Werbeagenturgruppen auf. 1989 wurde er zum Professor für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Marketing, berufen. Er ist durch zahlreiche Beiträge zu Themen aus Marketing, Vertrieb, Werbung und Management in Monografie-, Sammelband-, Lexikon- und Aufsatzform ausgewiesen und in seiner Domäne einer der erfolgreichsten Autoren (über 150.000 verkaufte Auflage) im deutschsprachigen Raum. Er ist u.a. als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger, als Studienleiter und Dozent in der Managementausbildung tätig.
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