Ideenfindung im InnovationsprozessDer Erfolg neuer Produkte am Markt hängt von vielen Faktoren ab: dem erkennbaren Nutzen, der Zahlungsbereitschaft der Kunden bei einem bestimmten Preis, dem einfachen Handling, der technischen Zuverlässigkeit und so weiter. Ohne eine überzeugende Idee wird sich eine Innovation jedoch nicht im Markt durchsetzen können. Die Ideenfindung ist somit ein unverzichtbares Element des Innovationsprozesses. Neben der am Anfang stehenden Produkt-, Dienstleistungs- oder Verfahrensidee sind im Laufe des Innovationsprozesses mehrfach Aufgaben kreativ zu lösen seien es technische Einzelprobleme am Produkt, Verfahrensprobleme in der Produktion, Verpackungsgestaltung oder Aufgaben des Marketings. Typisch für erfolgreiche neue Produkteinführungen der letzten Jahre ist, dass nicht nur das Produkt selbst in seiner Grundfunktionalität innovativ ist, sondern auch die anderen Teilbereiche des Marktauftritts innovative Elemente enthalten. Strategische Orientierung als Voraussetzung effizienter InnovationsfindungBei einer rein deskriptiven Betrachtung beginnt der Innovationsprozess mit einer Idee. Aber die Ideefindung kann in einem Unternehmen nicht am Anfang des Innovationsprozesses stehen. Vielmehr muss eine Such- und Entwicklungsausrichtung vorgegeben sein, die sich aus den Zielen und Möglichkeiten des Unternehmens ableitet. Vor der Ideenfindung muss daher bereits eine strategische Innovationsorientierung vorliegen oder erarbeitet werden. Die strategische Orientierung schlägt sich in Form von klar umrissenen Suchfeldern oder in strategischen Leitsätzen nieder, beispielsweise: »Wir suchen neue Produkte auf der Basis unseres X-Know-hows im Marktsegment Y« oder »Unsere Innovationen schaffen unserer Kundengruppe A Vorteile in der Produktion.« Für die Erarbeitung von Suchfeldern und Leitsätzen stehen bewährte Methoden zur Verfügung wie - die SWOT-AnalysenS = Strengths, W = Weaknesses, O = Opportunities, T = Threats,
- kundensegment-spezifische Bedarfs- und Problemanalysen,
Suchfelder können auch kreativ erarbeitet werden, indem aus einer Vielzahl von Vorschlägen einige Felder ausgewählt werden, die strategisch am besten zu den Zielen des Unternehmens passen. Interne IdeensammlungIn nahezu jedem Unternehmen gab es in der Vergangenheit schon Aktionen der Ideensuche. Meistens liegen noch Ideenlisten vor. Außerdem gibt es in vielfach Anregungen von Kunden und Vorschläge von Mitarbeitern. Ideen schwirren oft im Unternehmen herum, ohne dass sie aufgegriffen werden. Um sie in ein systematisches Ideenmanagement einzubeziehen, müssen sie von einer zentralen Stelle zusammengetragen und aufbereitet werden. Voraussetzung ist eine Innovationskultur im Unternehmen, in der die Innovationsideen aller Mitarbeiter willkommen sind und bearbeitet werden. Wenn im Rahmen einer Innovationsinitiative Workshops angesetzt werden, darf sich bei den nicht beteiligten Mitarbeitern nicht das Gefühl einstellen, dass ihre Ideen übergangen werden oder grundlos keine Beachtung finden. Dies würde sich nachteilig auf ihre Bereitschaft auswirken, an der Ideenumsetzung mitzuwirken. Es muss auch klar gemacht werden, dass alle Innovationsideen dem gleichen Auswahlprozess unterworfen werden. Dass in der Regel nur ein geringer Anteil der Innovationsideen weniger als 10 Prozent weiterverfolgt werden kann, sollte als typisch für den Ideenfindungsprozess verstanden werden. Den Mitarbeitern muss bewusst sein, dass Erfolg versprechende Ideen nur dann gefunden werden, wenn viele Ideen vorliegen. Die interne Sammlung von Ideen stellt einen guten Fundus für Innovationen dar, aber für strategische Innovationsentscheidungen ist sie nicht ausreichend. Denn die gesammelten Ideen sind vielleicht teilweise strategisch passend, zum großen Teil werden sie es aber nicht sein. Und es ist nicht gewährleistet, dass die meistversprechenden Ideen überhaupt darunter sind. Deswegen ist darüber hinaus eine strategisch ausgerichtete, gezielte Ideenfindung erforderlich, bei der wirkungsvolle Kreativitätstechniken zum Einsatz gelangen müssen. Das Offene ProblemlösungsmodellDie Anwendung von Kreativitätstechniken sollte sich generell am Konzept des Offenen Problemlösungsmodells OPM [1] orientieren. Darunter ist ein allgemeines Vorgehensmodell zu verstehen, das von einzelnen Kreativitätstechniken unabhängig ist. Nach diesem Modell werden bei allen systematischen Ideenfindungsbemühungen vier Stufen durchlaufen: die Problemklärung, die Ideenfindung, die Ideenauswahl und die Entscheidung über die nächsten Schritte vgl. Abb. 1. Abb. 1: Der kreative Problemlösungszyklus Die einzelnen Schritte dieses Modells werden im folgenden Abschnitt näher erläutert. Meistens reicht ein Durchlauf durch den Problemlösungszyklus nicht aus. Am Anfang werden nur Lösungsansätze bzw. Ideenrichtungen erdacht; sie müssen weiter konkretisiert und ausgestaltet werden. An den ersten Problemlösungszyklus schließen sich dann weitere Vertiefungszyklen an vgl. Abb. 2. Die ausgewählten Ideen eines Zyklus sind dabei immer Ausgangspunkt des nächsten Zyklus. Dazwischen sind Informationen zu beschaffen und Abgrenzungen vorzunehmen. Abb. 2: Der kreative Problemlösungsprozess Bei der Bearbeitung wird sich ergeben, dass einzelne Innovationsstränge nicht weiter zu verfolgen sind, weil sich technische Realisierungsprobleme abzeichnen, die Marktchancen nicht tragfähig erscheinen oder Patentrechte entgegenstehen. Es empfiehlt sich daher, mit einer Reihe von Ideen den Innovationsprozess parallel voranzutreiben, so dass nach Ausfällen noch genügend Vorschläge übrig bleiben, die als F&E- oder Produktentwicklungsprojekte umgesetzt werden können vgl. Abb. 3. Abb. 3: Parallele Ideenentwicklung in mehreren Stufen nach OPM Die Schritte des OPM-ProzessesProblemklärungBevor in einer Gruppe irgendeine Kreativitätstechnik zur Anwendung kommt, muss jeder Teilnehmer die zu lösende Aufgabe das Problem verstehen. Zu einem Problem, das man nicht verstanden hat, kann man keine sinnvollen Lösungsideen entwickeln. In der betrieblichen Praxis wird dieser vorbereitende Schritt häufig übergangen oder nur oberflächlich behandelt. Oft hört man die einleitende Aussage »Das Problem kennt Ihr ja im Prinzip, heute wollen wir...«. An dieser Stelle ist Konsequenz anzuraten: Das Problem sollte auf jeden Fall erläutert und der Kern der Aufgabenstellung herausgestellt werden. Es wird bestimmt Teilnehmer geben, für die diese Verdeutlichung hilfreich ist. Eine andere Form ungeeigneter Problemstellung besteht darin, dass die Aufgabe an Symptomen festgemacht wird: Offensichtliche Mängel oder Schwachstellen sollen beseitigt werden. Die Lösungen werden unzureichend sein, da sie die Ursache nicht abstellen. Es kommt also darauf an, den Kern des Problems zu erkennen und ihn zur Problemlösungsaufgabe zu machen. Die Aufgabenstellungen werden oft von anderen Personen formuliert und vorgegeben etwa von einem höheren Manager, von einem Kunden oder als Ergebnis einer Analyse. Eine Gruppe muss sich mit der vorgegebenen Aufgabe erst auseinander setzen. Worte und Formulierungen lassen viele Ausdeutungen zu, die subjektiv unterschiedlich sein können »Ich verstehe das so ...«. Die Gruppe muss nach einem Klärungs- und Verstehensprozess zu einem gemeinsamen, einheitlichen Verständnis der Problemstellung kommen. Diese Abstimmung wird dadurch zum Ausdruck gebracht, dass die Gruppe die vorgegebene Aufgabe in der erarbeiteten Differenzierung und in eigener Sprache neu formuliert. Häufig begegnet man der Auffassung: »Wir wollen die Problemstellung nicht zu stark eingrenzen; bei einer breiten Problemstellung können vielleicht ganz neue Gesichtspunkte auftauchen«. Hier werden Problemstellung und Lösungsfindung verwechselt. Die Problemstellung soll vielmehr möglichst genau kennzeichnen, was zu lösen ist, welche Ziele gesetzt sind und wie das Ergebnis die Lösung aussehen soll Ergebnisvision. Für ein präzise beschriebenes Problem können dann ganz unterschiedliche Ideen angedacht werden. Bei einer breiten Problemstellung werden in der Regel zwar viele, aber wenig verwertbare Ideen generiert. Die breite Problemstellung ist leichter bequemer zu bearbeiten und daher durchaus beliebt. [Die Leseprobe endet hier] |